Bedenkenlos Schulden machen-Frankfurter Rundschau 28.05.2013

Ein offener Brief des Frankfurter CDU-Fraktionschefs Michael zu Löwenstein an die Intendanten von Oper und Schauspiel.

Sehr geehrter Herr Loebe, sehr geehrter Herr Reese,

da Sie für richtig halten, öffentlich über Ihre Frustration mit „der Politik“ zu sprechen, erlaube ich mir, ein paar Frustrationen des Politikers mit „den Intendanten“ zu erwähnen. 

Mich frustriert, wenn vom Steuerzahler nicht ganz schlecht bezahlte führende Mitarbeiter einer städtischen Gesellschaft den gewählten Vertretern des Steuerzahlers Machtspiele vorwerfen (Zitat Loebe: „Offensichtlich müssen Politiker das Gefühl haben, sie haben die Städtischen Bühnen in die Knie gezwungen“), nur weil sie ihrer Aufgabe nachgehen, nicht mehr Geld auszugeben, als es gibt, und völlig bedenkenlos dazu auffordern, Schulden auf Kosten der kommenden Generationen zu machen, damit wir hier und heute schöne Kultur konsumieren können.

Mich frustriert, wenn Intendanten darüber klagen, dass sich der Oberbürgermeister nicht für die Hochkultur interessiert und im gleichen Atemzug über andere Politiker spotten, die ihre Freizeit dafür opfern, das Interesse an Oper und Theater durch Anwesenheit deutlich zu machen, indem sie zu den Vorstellungen kommen, egal ob da besonders Vergnügliches geboten wird oder nicht (Zitat Loebe: „Der Witz ist: gleichzeitig waren noch nie so viele Politiker wie jetzt bei uns in den Vorstellungen.“).

Mich frustriert, wenn Intendanten darüber klagen, sie müssten einsparen – ebenso wie Sozialämter, Schulen, Sportvereine, soziale Hilfsorganisationen – und im gleichen Atemzug die Forderung erheben, die Städtischen Bühnen müssten nicht weniger, sondern mehr Subventionen als bisher bekommen (großzügig wird angeboten, Tariferhöhungen müsse der Steuerzahler nur zu 70% übernehmen). Mich frustriert, wenn Künstler das Recht in Anspruch nehmen, mit dem Gewicht ihres städtisch bezahlten Amts in die politische Debatte einzugreifen, aber gleichzeitig jede Verantwortung für das ganze Gemeinwesen von sich weisen, obwohl Sie wissen müssten, dass jeder Euro an Subventionen für die Städtischen Bühnen an anderer Stelle – bei Kindertagesstätten, Bürgerhäusern, Vereinen und vielen anderen – fehlt.

Mich frustriert, wenn Intendanten zwar die beste Oper und eines der besten Schauspiele in Deutschland perfekt organisieren können, sich aber völlig außerstande erklären, in einem Subventionsetat von 70 Millionen Euro Einsparmöglichkeiten zu finden. Mich frustriert es schließlich, wenn uns allen Ernstes andere Städte in Deutschland als leuchtendes Beispiel vorgehalten werden, obwohl Frankfurt für die Kultur und speziell für die Bühnen mit weitem Abstand die höchsten Subventionen unter allen deutschen Städten auf den Tisch legt.

Liebe Intendanten, wir Politiker können Sie nicht zwingen, der seit Monaten auf dem Tisch liegenden Aufforderung nachzukommen, selbst Vorschläge für eine Anpassung Ihrer Organisation zu machen, die ein Höchstmaß an Qualität mit den finanziellen Möglichkeiten in Übereinstimmung bringt. Aber die Methode, kräftig in die Hand des Steuerzahlers zu beißen, der Ihnen das Gehalt und die Arbeit bezahlt, macht den Politikern unter uns, die für die Hochkultur kämpfen, die Aufgabe nicht einfacher, sondern schwerer.

Mit freundlichen Grüßen

Ihr Michael zu Löwenstein

Fraktionsvorsitzender der CDU im Römer

Inhaltsverzeichnis
Nach oben