Robin Hood des Westends

Ortsvorsteher Axel Kaufmann setzt sich für die Mieter in seinem Stadtteil ein

 Ortsvorsteher Axel Kaufmann setzt sich für die Mieter in seinem Stadtteil ein. Manchen geht er dabei allerdings zu weit. 

 

Nur damit das klar ist: „Ich bin hier nicht der oberste Mieterschützer oder so“, sagt Axel Kaufmann. Aber helfen will der kan- tige Ortsvorsteher trotzdem. Vor ihm sit- zen aufgebrachte Anwohner, die sich Sor- gen um ihr Viertel machen, seit in einem Haus an der Friedberger Landstraße Dut- zende Rumänen wohnen. Um den Alt- mietern Mut zu machen, überschreitet Kaufmann Grenzen. Denn für das Nord- end ist der Mann aus dem Westend gar nicht zuständig. Doch die Strategien der Mietervertreibung kennt er aus seinem Bezirk.

Dort und an der Friedberger Landstra- ße ist es mittlerweile ruhiger geworden. Das liegt auch an Kaufmann. Seit er laut- stark gegen die Entmietung von Wohn- häusern kämpft, gehen die Klagen der Mieter über unlautere „Wildwestmetho- den“ zurück. Die City 1 Group zum Bei- spiel will in ihren Wohnhäusern keine Monteure mehr einquartieren, die den alt- eingesessenen Mietern das Leben schwer- gemacht haben. Alle entsprechenden Mietverträge mit der Option zur Unterver- mietung seien gekündigt, so hat es der Ge- schäftsführer des Unternehmens kürzlich den Mietern zugesagt.

Die Mieter sind sich sicher: Ohne Kauf- manns Vermittlung hätten sich die Leute von City 1 nicht mit ihnen an einen Tisch gesetzt. Der Ortsvorsteher und Gerlinde Becker von der AG Westend seien die „Motoren“ hinter dieser Entwicklung, meint Andrea Pollmeier, deren Mann eine Arztpraxis in einem City-1-Haus be- treibt. Pollmeier findet, Kaufmann mache seine Sache richtig gut – obwohl er von der CDU sei. „Er ist der ideale Politiker. Unparteiisch, aber anteilnehmend.“ Er sei ansprechbar, höre zu und handele un- mittelbar. Kaufmann kümmert sich.

Wer den Mann erlebt, der sein Geld als Prokurist bei der Bankengruppe KfW ver- dient, begegnet einem Charakterkopf mit viel Energie. Kaufmann ist hartnäckig. Wenn er sich eine Sache vorgenommen hat, lässt er nicht locker. Das bekommen auch die Investoren im Westend zu spü- ren. Kaufmann legt aber Wert darauf, dass er nicht auf einer bestimmten Seite steht. Der gebürtige Bremer mit der Vor- liebe für marineblaue Anzüge ist alles an- dere als ein Linker. Er sieht sich als Mode- rator und hat auch nichts gegen eine maß- volle Modernisierung von Wohnhäusern. Wenn jemand aber seine Eigentumsrech- te missbraucht, bekommt er es mit Kauf- mann zu tun. Und Sätze zu hören, die CDU-Politiker in der Regel nicht in den Mund nehmen: Dass sich mancher Eigen- tümer solche Praktiken erlauben kann, zeigt für ihn, dass der Wohnungsmarkt in Frankfurt nicht funktioniert. Die Berich- te der Mieter machen ihm Sorgen. Ihre Geschichten handeln von Lärm, Dreck und Ungeziefer.

Der Ortsvorsteher spricht eine klare Sprache. „Die müssten endlich mal aus dem Quark kommen“, ist ein typischer Kaufmann-Satz. Gemeint sind Woh- nungsamt und Polizei. Schließlich seien diese Methoden der Entmietung krimi- nell. Einige Eigentümer versuchten, ihre Mieter „hinauszuekeln“, indem sie die Wohnbedingungen unzumutbar machten.

Das hat offenbar Methode: Das Geschäfts- modell einiger Investoren besteht darin, Häuser aufzukaufen und zu entmieten, um die Wohnungen nach der Sanierung in Eigentum umzuwandeln. Die Häuser werden absichtlich in einen schlechten Zustand versetzt, um die alteingesesse- nen Bewohner zum Auszug zu bewegen. So etwas will Kaufmann in „seinen“ Stadt- teilen nicht haben. Er nennt auch Namen. Nicht alle finden das richtig, manche spre- chen von „Pranger“ und fragen, was wäre, wenn sich herausstellte, dass die beschul- digten Hauseigentümer gar keine Entmie- tung im Sinn hätten.

Kaufmann kennt diese Bedenken. Er ist sich aber sicher, dass er die Richtigen im Blick hat. So wie neulich, als er half, eine kleine Demonstration vor der Praxis eines Arztes zu organisieren. Der Medizi- ner aus dem Westend steht im Verdacht, mehrere Häuser mit Absicht verwahrlo- sen zu lassen. Seine Anteile an der Eigen- tümer-GmbH habe er längst verkauft, ließ er wissen. Doch Kaufmann hatte mit Hilfe der Mieter recherchiert und ist sich sicher, dass die Proteste den richtigen Adressaten haben. Wenn es sein muss, will der CDU-Politiker die guerrillaarti- gen Aktionen fortsetzen. „Wir können ger- ne mal einen der Investoren in seinem Tennisclub besuchen“, sagt er.

In seinem Ortsverband im Westend hat er Rückhalt: „Dass er sich für die Leute en- gagiert, die aus den Wohnungen gedrängt werden, finden alle gut und richtig“, sagt Michael zu Löwenstein, Westendbewoh- ner und CDU-Fraktionsvorsitzender im Römer. Als Kaufmann 2009 Ortsvorste- her werden sollte, mussten Löwenstein und seine Kollegen ihm noch gut zure- den. Aber inzwischen hat er sich warmge- laufen. Kaum ein anderer Ortsvorsteher ist persönlich so engagiert. Kaufmann op- ferte für die Planungswerkstätten zum Campus Bockenheim mehrere Wochenen- den. Fragt man ihn, was in den nächsten Jahren im Westend auf der Agenda steht, so nennt er den Grüneburgpark und den Kulturcampus. Aber auch immer wieder die Sorge vor Gentrifizierung und sozia- len Verwerfungen. Kaufmann wird weiter- hin versuchen, den Behörden aus dem Quark zu helfen. rsch./pach. 

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